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   Kapitalanlagenrecht
Bankrecht: Wie funktioniert Scoring?
 
Autor: Rechtsanwalt Dr. iur. Ulrich Schulte am Hülse
Kanzlei: ilex Rechtsanwälte
Ort: 14469 Potsdam
erstellt am: 28.01.10
 
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Bankrecht: Wie funktioniert Scoring?
Wer ein Darlehen oder einen Handyvertrag benötigt, etwas im Internet bestellen möchte oder einen Mietvertrag mit einer größeren Wohnungsbaugesellschaft schließen möchte, dessen potentieller Vertragspartner prüft oftmals im Vorfeld die mögliche Kreditwürdigkeit seines Kunden. Dazu greift der potentielle Vertragspartner auf eine externe Datenbank zu und ruft den sog. "Scorewert" des Kunden ab, der eine Aussage über das vermutete Forderungs- oder Kreditausfallrisiko enthält. Wird der Vertrag abgelehnt kann dies auch daran liegen, dass der "Scorewert" des Kunden im Keller ist. Ob nun berechtigt oder unberechtigt, ein Großteil der Betroffenen kann mit dem Begriff "Scoring" nichts anfangen, weil nur wenige wissen, welche erhebliche Datenfülle in diversen Datenbanken über fast jeden Bundesbürger hinterlegt ist.

Wofür gibt es das Scoring-Verfahren?

Mit Hilfe des Scorewertes einer Person möchte ein Unternehmen die Prognose des Forderungs- bzw. des Kreditausfallrisikos nach einem statistischen Wahrscheinlichkeitsverfahren ermitteln (to score = englisch = punkten, score = Auswertung/ Ergebnis). Prinzipiell lassen sich dazu, je nach Verfügbarkeit der Informationen, verschiedene Merkmale heranziehen, wie z.B. "Kunde seit", Merkmale zum "bisherigen Vertragsverlauf", "fällige und unbezahlte Forderungen", "Vertragskündigungen", "Beruf", "Wohnort", "Sicherheiten", "Kreditanfragen", "Bilanz einer Gesellschaft" etc. Mit diesen Daten wird nun eine Bonitäts-Note ermittelt, um dem anfragenden Unternehmen eine Entscheidungshilfe zu geben. Ist die Bonitäts-Note ausreichend, kann der Vertrag geschlossen werden bzw. ein Kredit gewährt werden. Ist sie nicht ausreichend, wird der Vertrag abgelehnt.

Wie funktioniert Scoring praktisch?

Ein führender Anbieter von Scoring-Verfahren ist beispielsweise die Schufa Holding AG, die nach eigenen Angaben eine Datenfülle von etwa 440 Mio. Datensätzen zu rund 65 Mio. Menschen in Deutschland besitzt (Stand: 2008). Im Datenbestand werden dann Name, Anschrift und Geburtsdatum, die Vertragsbeziehung und jede Form der Vertragsstörung oder Vertragsbeendigung, sowie Kreditanfragen gemeldet. Gleichzeitig sammelt die Schufa Holding AG auch von weiteren Vertragspartnern Daten ein; etwa wenn der Kunde mehrere Konten unterhält, eine Kreditkarte besitzt oder Daten von Verträgen mit weiteren Anbietern existieren, die ebenfalls mit der Schufa Holding AG zusammenarbeiten; beispielweise Mobilfunkanbieter oder Versandhandelsunternehmen. Regelmäßig kennt die Schufa Holding AG aber nicht die konkreten Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Betroffenen.

Welche Scorewerte gibt es bei der Schufa?

Bei der Schufa Holding AG gibt es zunächst den Basisscore. Dieser wird dem Kunden übermittelt, wenn er von seinem Recht Gebrauch macht und eine sog. Eigenauskunft über seinen Datenbestand einholt. Der Basisscore wird als Prozentwert übermittelt und ist umso positiver, je näher der Wert an 100 Prozent heranreicht. In diesem Fall besagt der Scorewert, dass die Wahrscheinlichkeit groß sein soll, dass der Kunde seinen Kredit zurückzahlt oder das Vertragsverhältnis positiv abgewickelt wird.

Weitere Scorewerte sind die Branchenscorewerte, die - anders als der Basisscore - täglich neu berechnet werden. In der Regel ist dieser Scorewert für die Vertragspartner der Schufa Holding AG maßgeblich und nicht der Basisscore. Von dem Branchenscore gibt es jedoch sieben verschiedene Arten: den Scorewert a.) für Hypothekenbanken (HypoScore), b.) für den Versandhandel, c.) für den Handel, d.) für die Telekommunikation, e.) für die Genossenschaftsbanken und Sparkassen, f.) für die Banken und g.) für die Schufa-Business-Line. Die Branchenscorewerte tauchen in der Eigenauskunft nicht auf und müssen gegen Zahlung einer Pauschale gesondert angefordert werden.

Welche Scorewerte gibt es bei der Creditreform?


Anders als bei der Schufa Holding AG sind die Scorewerte der Auskunftei "Creditreform" ausgestaltet. Beispielsweise anhand des sog. Bonitätsindex werden Punkte zwischen 0 und 600 vergeben. Während eine Punktzahl von 0 bis 149 Punkten dem Unternehmen eine äußerst gute Bonität bescheinigt und mit der Schulnote 1 gleichzusetzen ist, steckt hinter der Vergabe von 600 Punkten die Behauptung einer "Zahlungseinstellung" und der behaupteten Existenz von "harten Negativmerkmalen" (also kreditunwürdig). Aufgrund der registerrechtlichen Veröffentlichungspflicht kann die "Creditreform" bei ihrer Scoreberechnung oftmals konkrete Unternehmenswerte berücksichtigen. Kritisiert wird an der Score-Bewertung der Creditreform, dass der aus mehreren Unternehmen bestenden Unternehmensverbund sowohl eine Auskunftei und Score-Bewertung betreibt und zugleich als Inkassogesellschaft tätig ist. Dem Unternehmensverbund Creditreform würde deshalb die gebotene Unabhängigkeit fehlen, die für eine möglichst objektive Score-Bewertung von Unternehmern notwendig ist.

Aus welchen Merkmalen setzt sich der Scorewerte zusammen?


Derzeit legen die meisten Auskunfteien die genaue Zusammensetzung und die Bedeutung der Merkmale von Scorewerten (noch) nicht offen. Am 01.04.2010 treten jedoch Änderungen im Bundesdatenschutzgesetz in Kraft, die das Betreiben einer Auskunftei neu regeln, den Betroffenen erweiterte Auskunftrechte gegenüber den Auskunfteien gewähren und für mehr Transparenz beim Scoring sorgen. Im Internet kursieren Gerüchte, wonach der Wohnort des Kunden in den Scorewert einfließt bzw. ein häufiger Wohnortwechsel. Dies bestreitet die Schufa Holding AG vehement. Informationen zu Wohnvierteln mit Hinweisen auf die Nationalität, dem Alter der Bewohner, dem Anteil von Familien oder ähnliche soziodemografische Daten würden nicht erfasst werden und nicht in den Score einfließen, so zumindest die Schufa Holding AG.

Was ergab eine Studie im Auftrag des Verbraucherschutzministeriums?


Eine im Juni 2009 erstellte Studie der "GP Forschungsgruppe - Institut für Grundlagen- und Programmforschung", für deren Ergebnis eine empirisch Anzahl an Testpersonen ausgesucht wurden, kommt im Hinblick auf die Datenqualität der Schufa Holding AG zu keinem angenehmen Ergebnis. Dort heißt es auf der Seite 14: "Nach Überprüfung der zugestellten Eigenauskünfte durch die Testpersonen ergibt sich, dass - gemessen an den SCHUFA-Kriterien - 45% (!) der Eigenauskünfte fehlerhafte, unvollständige oder falsche Eintragungen aufweisen. Unvollständige Eintragungen beziehen sich auf fehlende Girokonten oder Bankverbindungen sowie fehlende Immobilienkredite und fehlende Handyverträge. Falsche Eintragungen beziehen sich auf falsche oder gekündigte Handyverträge, falsche Girokonten, abgelaufene oder nicht existente Kreditkarten."

Was gibt es am Scoring eigentlich zu kritisieren?


Nicht gegen das Scoring-System an sich und auch nicht gegen die Tatsache der Existenz solcher Datenbanken richtet sich derzeit die fundierte Kritik, sondern die Art und Weise, wie solche Datenbanken und Scoring im Einzelfall betrieben werden. Das Scoring-System ist ein statistisches Verfahren, dass in den Grundzügen aus den Vereinigten Staaten stammt und dort schon vor dem Ersten Weltkrieg bekannt war. Problematisch ist es jedoch, wenn die Datenbank Daten aufweist, die a) inhaltlich und b) rechtlich nicht korrekt sind und deshalb gar nicht eingetragen werden dürfen. Das Scoring-System überhaupt nur dann funktionieren, wenn die Daten, die den Scorewert beeinflussen, richtig sind. "Richtige Daten" zu sammeln bedeutet, dass die Forderung dem Vertragspartner auch tatsächlich und rechtlich zustehen muss. Nicht gerade selten sind die eingetragenen Daten jedoch falsch und bei einer Datenfülle von etwa 440 Millionen gespeicherten Datensätzen zu circa 65 Millionen Personen, die gepflegt werden müssen, ist dies offenkundig auch kaum anders zu erwarten.

Beispielsweise kann die Nichtbezahlung einer Rechnung im Versandhandel auch damit zusammenhängen, dass die bestellte Sache bereits kaputt war, bevor Sie ankam und der Kunde Gewährleistungsrechte geltend macht. Wird hier der Schufa Holding AG eine angeblich offene Forderung gemeldet, so steht in der Datenbank einer Auskunftei eine höchst streitige Forderung, obwohl es keinerlei gerichtliche Feststellungen zu diesem Saldo gibt. Im Branchenscore der Schufa Holding AG macht sich dieser Negativeintrag evt. schon am Folgetag bemerkbar. Im Basisscore der Schufa Holding AG, das ist derjenige Scorewert, den man dem Betroffenen zu seiner Beruhigung präsentiert, dauert es zwar noch eine Weile, aber hier ist das Abfallen der Kreditwürdigkeit nur noch eine Frage der Zeit. Der Gesetzgeber hat in dem ab dem 01.04.2010 geltenden neuen Bundesdatenschutzgesetz geregelt, dass eine substantiiert bestrittene Forderung, zu der es keinerlei gerichtliche Feststellungen gibt, im Datenbestand einer Auskunftei gar nicht eingetragen werden darf.

In welchen Fällen wird das System durch Dritte sogar missbraucht?


Einen regelrechten Missbrauch des "Schufa-System" stellt es dar, wenn die Vertragspartner von Betroffenen oder Inkassogesellschaften die bloße Existenz der Datenbank der Schufa Holding AG als reines "Inkasso-Instrument" benutzen. Das ist dann der Fall, wenn Vertragspartner selbst bei höchst strittigen Forderungen unverhohlen damit drohen, einen Negativeintrag an die Schufa Holding AG lancieren zu wollen. Als "Inkasso-Instrument" ist eine Auskunftei gar nicht vorgesehen und der nach der obergerichtlichen Rechtsprechung anerkannte Zweck einer Auskunftei beschränkt sich darauf, im Interesse der Kreditkonsumenten, Kreditunwürdige von Krediten fernzuhalten, besteht jedoch nicht darin, einem Vertragspartner eine allgemeine Drohkulisse zur Verfügung zu stellen, in dessen Rahmen man nur mal eben mit einem "Schufa-Eintrag" zu hantieren braucht, um strittige Forderungen durchzusetzen.

Was kann ich präventiv tun um Fehler zu verhindern?


Um keine bösen Überraschungen zu erleben, sollte man den Inhalt seines eigenen Datenbestandes und seine Scorewerte im Rahmen einer Eigenauskunft regelmäßig überprüfen und bei den nicht seltenen Datenbankfehlern für eine Richtigstellung bei seinem Vertragspartner sorgen.

Kann ich einen Negativeintrag vorzeitig löschen lassen?

Wenn die Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind, können Sie einen Widerrufsanspruch gegenüber derjenigen Person durchsetzen, die den Negativeintrag eingestellt hat. Diesen Anspruch kann man auch gerichtlich einklagen, wenn ein Negativeintrag nicht den datenschutzrechtlichen Anforderungen standhält. Liegen die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen für einen Negativeintrag nicht vor, käme sogar ein Unterlassungsanspruch für die Zukunft in Betracht. Ob die Erfolgsaussichten gegeben sind, bedarf jedoch einer sehr sorgfältigen Einzelfallprüfung. Dazu ist es notwendig nicht bloß den Negativeintrag, sondern auch die dazugehörigen Vertragsunterlagen einzusehen.

Autor (ViSdP): Rechtsanwalt Ulrich Schulte am Hülse, Alleestraße 13, 14469 Potsdam, www.ilex-recht.de

Autor (ViSdP): Rechtsanwalt Dr. iur. Ulrich Schulte am Hülse, ilex Rechtsanwälte, 14469 Potsdam


Das Datum, an dem dieser Artikel eingestellt wurde, entspricht nicht zwingend dem Tag der Erstellung dieses Artikels. Bitte informieren Sie sich im Zweifel beim Autor oder einem anderen Fachmann über die Aktualität und Richtigkeit der Inhalte.


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