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Sie befinden sich hier: Startseite / Fachartikel / Arbeitsrecht / Arbeitszeugnisse – eine Geheimwissenschaft?
   Arbeitsrecht
Arbeitszeugnisse – eine Geheimwissenschaft?
 
Autor: Rechtsanwalt Martin Kersting
Kanzlei: Rechtsanwaltsgemeinschaft Kersting & Kieler
Ort: 44532 Lünen
erstellt am: 22.06.06
 
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Arbeitszeugnisse – eine Geheimwissenschaft?

"Herr Brand verfügt über Fachwissen und zeigt ein gesundes Selbstvertrauen. Die ihm aufgetragenen Arbeiten erfüllte er zu unserer Zufriedenheit.“
Ohne Bedenken zeigt Herr Brand bei seinen Bewerbungen sein Arbeitszeugnis vor, das ihm sein ehemaliger Arbeitgeber ausgestellt hat, und wundert sich, dass es Absagen nur so hagelt. Woran liegt das? Am Arbeitszeugnis kann es doch nicht liegen, das klingt doch durch und durch positiv.

Herr Brand liegt leider falsch: So gut sich die Bewertungen i Arbeitszeugnis zunächst anhören: mit blumigen Worten hat er die Note „mangelhaft“ erhalten.

Wer ein Unternehmen verlässt, hat einen Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis. Diese Regel gilt, seitdem das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) am 1. Januar 1900 in Kraft getreten ist. Mehr noch: Die Formulierungen sollen wohlwollend ausfallen und dem scheidenden Mitarbeiter keine Steine in den Berufsweg legen, zugleich aber der Wahrheit verpflichtet sein.
Die Wirklichkeit sieht oft genug anders aus: Im Dickicht der Zeugnisfloskeln finden sich nur die wenigsten Beschäftigten zurecht. Und so kann die erste Freude über das frisch ausgestellte Arbeitszeugnis schnell in bohrende Zweifel umschlagen. Viele Sätze klingen vordergründig freundlich oder gar übertrieben - und trotzdem lesen Experten zwischen den Zeilen, dass der Arbeitnehmer faul und inkompetent war.

Heimtückische Komplimente im Arbeitszeugnis sind bei der Jobsuche die Pest.
Wer weiß schon, wofür die Floskel von der "Trennung in gegenseitigem Einvernehmen" steht und was die Aussage "Er zeigte ein gesundes Selbstvertrauen" tatsächlich bedeutet?

Herrn Brand wird im obigen Beispiel bescheinigt, dass er über ein geringes Fachwissen, verfügt, das er mit großer Klappe vertritt. Und dass er seine Aufgaben „zur Zufriedenheit“ erfüllte, bedeutet allenfalls ein schwaches „ausreichend“

Die letztere Formulierung ist bereits zum allgemeinen Standard geworden. Nachstehende Formulierungen lassen sich eindeutig folgenden Beurteilungen zuordnen:

„stets zur vollsten Zufriedenheit“   - sehr gut
„stets zur vollen Zufriedenheit“  -  gut
„zur vollen Zufriedenheit“  -  befriedigend
„zur Zufriedenheit“   - ausreichend
„er bemühte sich, die ihm übertragenen
Aufgaben zur Zufriedenheit zu erfüllen“ – mangelhaft

Bei sonstigen Einzelbeurteilungen ist da schon mehr Vorsicht und Fantasie gefragt, um den wahren Sinn zu entdecken.

So zeigt die Formulierung „verfügt über Fachwissen“ , gerade weil keine Eigenschaften genannt sind wie „gutes“ oder „vertieftes“ oder „souveränes“, dass da nicht viel ist mit Fachwissen.
Und „gesundes Selbstvertrauen“ bedeutet eindeutig, dass er viel redet, ohne dass da viele Inhalte drin stecken.

Vorsicht auch bei einer Formulierung wie „ein einwandfreies Verhalten gegenüber den Kollegen“: Da das Verhalten gegenüber Vorgesetzten und evtl. Kunden nicht erwähnt wird, scheint es hier grobe Mängel gegeben zu haben.

In beiden Fällen wird von „Leerstellentechnik“ gesprochen: wenn Naheliegendes nicht erwähnt wird, so kann es nur schlecht gewesen sein.

Wenn ein Mitarbeiter „alle Arbeiten ordnungsgemäß erledigt"  hat, so warnt der Zeugnis-Aussteller vor einem Bürokraten, von dem keine Eigeninitiative zu erwarten ist.

Ebenso: Wenn ein Mitarbeiter als „stets pünktlich“ beschrieben wird, ohne dass weitere Beschreibungen seiner Leistungsfähigkeit abgegeben werden, so zeigt auch dies, dass er außer Pünktlichkeit nichts zu bieten hatte.

Neben den geheimen Beurteilungen durch Weglassen gibt es aber auch ausdrückliche und in den Personalbüros allgemein anerkannte „Geheimcodes“.

Die bereits erwähnten Grade der Zufriedenheit sind inzwischen so weit bekannt, dass sie nicht als „Geheimcode“ bezeichnet werden dürfen, wohl aber "Mit seinen Vorgesetzten ist Herr X gut zurechtgekommen" , was einen unkollegialen Schleimer bezeichnet, oder "Er war sehr tüchtig und wusste sich gut zu verkaufen." , womit ein unangenehmer und rechthaberischer Wichtigtuer bezeichnet wird.

Ich will hier allerdings nicht behaupten, dass in der Sprache der Arbeitszeugnisse jede Formulierung eine bestimmte „Geheim“-Bedeutung hat. Es gibt keine Geheimsprache, die von allen Personalchefs gekannt wird.
Wesentlich kommt es immer auf den Gesamtinhalt des Arbeitszeugnisses an und den Zusammenhang, in dem die einzelnen Formulierungen stehen.
Am Besten, man fragt einen Fachmann um Rat.
Und wenn sich negative oder zweideutige Formulierungen häufen, hat der Arbeitnehmer das Recht auf Berichtigung des Zeugnisses, das sich auch vor dem Arbeitsgericht durchsetzen lässt.

Autor (ViSdP): Rechtsanwalt Martin Kersting, Rechtsanwaltsgemeinschaft Kersting & Kieler, 44532 Lünen


Das Datum, an dem dieser Artikel eingestellt wurde, entspricht nicht zwingend dem Tag der Erstellung dieses Artikels. Bitte informieren Sie sich im Zweifel beim Autor oder einem anderen Fachmann über die Aktualität und Richtigkeit der Inhalte.


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