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   Zivilrecht, allgemein
Sturz ohne Sattel
 
Autor: Frank Richter
Kanzlei: Rechtsanwalt
Ort: 69221 Dossenheim
erstellt am: 06.05.08
 
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Sturz ohne Sattel
Das OLG Düsseldorf hatte mit Urteil vom 21.01.2000, 22 U 149/99, darüber zu entscheiden, wie der Fall liegt, wenn Kinder bei einem ungeführten Ausritt zu Schaden kommen.

Der Beklagte war der Inhaber eines Reiterhofs. Am Morgen des 19. 4. 1998 erschien die Klägerin zusammen mit ihren Freundinnen auf dem Hof des Beklagten. Ihnen wurden Ponys übergeben, dann ritten sie gemeinsam - ohne Begleitung - aus. Die Klägerin benutzte hierbei keinen Sattel. Als es der Klägerin nicht gelang, das galoppierende Pony in das Schritttempo zurückzuführen, verlor sie den Halt, stürzte zu Boden und erlitt schwere Verletzungen.

Da der Beklagte das Pony gewerbsmäßig zum Ausreiten vermietet hat, ist er Tierhalter im Sinne des § 833 BGB. Die Haftung des Beklagten ist auch nicht nach den Grundsätzen des Handelns auf eigene Gefahr ausgeschlossen.

Welche Anforderungen an die im Verkehr erforderliche Sorgfalt zu stellen sind, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls. Zu den vorliegend relevanten Umständen zählen Alter und Ausbildungsgrad der Klägerin, Eigenschaften des Reittiers, Art und Umfang der Reitaktivität. Nach dem nunmehr unstreitigen Sachverhalt hatte die Klägerin etwa ein Jahr vor dem Unfall eine Woche auf dem Reiterhof des Beklagten zugebracht. Dass ihr hierbei eine Ausbildung zuteil wurde, ist nicht vorgetragen, so dass die Klägerin allenfalls geringe Erfahrungen im Umgang mit Ponys hatte. Zudem war die Klägerin erst 13 Jahre alt. Unter diesen Umständen durfte der Beklagte den Ausritt ohne eine reiterfahrene Begleitperson nicht zulassen. Selbst wenn im angrenzenden Wald die besonderen Gefahren des Straßenverkehrs nicht vorhanden waren, ist auf öffentlichen Reit- und Wanderwegen gerade das Risiko eines Durchgehens weitaus höher als etwa innerhalb eines umzäunten Reitplatzes. Erst recht verbot es sich, der Klägerin den Ausritt ohne Sattel zu erlauben, was die Gefährlichkeit noch weiter erhöhte. Dem lässt sich nicht entgegenhalten, dass das Pony nur eine Sitzhöhe von 125 cm hatte. Körpergröße und Gewicht der Klägerin (damals 152 cm, 36 kg) kompensieren weitgehend diesen Vorteil. Der Beklagte kann auch nicht mit Erfolg einwenden, die Tante der Klägerin habe gewusst, dass keine Begleitperson zur Verfügung stand. Auch bei einem ansonsten braven Pony mit durchschnittlichem Temperament sind derartige Selbständigkeiten nicht fernliegend, wenn ihm durch die Unerfahrenheit des Reiters die hierzu notwendige Freiheit gegeben wird.

Das Mitverschulden der zurechnungsfähigen Klägerin ist allerdings mit einer Quote von l/3 zu bewerten. Bei der Abwägung ist erster Linie auf das Maß der beiderseitigen Verursachung zweitrangig auf das Maß des beiderseitigen Verschuldens abzustellen. Da die Klägerin zum Unfallzeitpunkt erst 13 Jahre alt war, ist ihr Verursachungsbeitrag an altersgemäßen Maßstäben zu messen. Der Entschluss der Klägerin, ohne Sattel zu reiten, war für das Unfallereignis zu einem wesentlichen Teil mitbestimmend. Es gerade die Funktion eines Sattels, dem Reiter auf dem Rücken des Tieres sicheren Halt zu ermöglichen, ihn also von den Folgen eines Herunterfallens zu schützen. Erschwerend kam hinzu, dass die Klägerin mit dem Pony zunächst galoppiert ist; der Unfall nahm seinen Anfang in ihrem Unvermögen, das Tier von der schnellen Gangart in eine langsamere zu versetzen. Wäre sie - ihrem Ausbildungsgrad entsprechend - nur im Schritttempo geritten, hätte zu einem Gangartwechsel keine Veranlassung bestanden. Die Klägerin war in der Lage, diese Zusammenhänge zu erkennen. Das Mitverschulden ist allerdings zu messen an den jugendspezifischen Besonderheiten des Falles. Die Klägerin gehörte einer Gruppe gleichaltriger Mädchen an, die sich offenbar darin einig war, die Ponys ohne Sattel und im Galopp zu reiten. Es entspricht jugendtypischem Verhalten, dass sie in der Gruppe keine Vernunftserwägungen angestellt, sondern sich dem Verhalten der anderen angeschlossen hat. Das ist verschuldensmindernd zu berücksichtigen. Demgegenüber trifft den Beklagten ein erhebliches Verschulden. Da es sich um eine Gruppe von Kindern bzw. Jugendlichen handelte, konnte der Beklagte auch nicht auf eine besonnene, dem Ausbildungsstand angepasste Reitweise vertrauen, vielmehr war mit jugendlicher Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten zu rechnen. Demzufolge hätte er den unbegleiteten Ausritt unterbinden müssen. Statt dessen hat er es zugelassen, dass die Klägerin den ohnehin riskanten Ausritt sogar ohne Sattel antrat.

Eine Rechtsschutzversicherung kann die nicht unerheblichen Prozessrisiken, die durch die Notwendigkeit von Gutachten ggf. verschärft werden, abfedern. Denn auch der Prozessgewinner kann auf beträchtlichen Kosten sitzen bleiben, wenn der Schuldner nicht liquide ist, zumal die außergerichtlichen Anwaltskosten des Angegriffenen in der Regel nie vom Angreifer zu erstatten sind.

Autor (ViSdP): Frank Richter, Rechtsanwalt, 69221 Dossenheim


Das Datum, an dem dieser Artikel eingestellt wurde, entspricht nicht zwingend dem Tag der Erstellung dieses Artikels. Bitte informieren Sie sich im Zweifel beim Autor oder einem anderen Fachmann über die Aktualität und Richtigkeit der Inhalte.


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