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Sie befinden sich hier: Startseite / Fachartikel / Verkehrsrecht / „20km/h drüber ist doch o. k. “
   Verkehrsrecht
„20km/h drüber ist doch o. k. “
 
Autor: Harald Stöcker
Kanzlei: RAe Kemper Dr.Stüber Dr.Soestwöhner Stöcker
Ort: 44623 Herne
erstellt am: 19.06.06
 
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„20km/h drüber ist doch o. k. “

Die Auswirkungen der Geschwindigkeit im Straßenverkehr

„20km/h drüber ist doch o. k. Wer kennt diesen Satz nicht. Dieser Artikel erläutert die Auswirkungen der gefahrenen Geschwindigkeit für den innerstädtischen Verkehr (vorgeschriebene 30 bzw. 50km/h).  Die erheblichen Konsequenzen sind vielen Verkehrsteilnehmern unbekannt oder werden häufig verdrängt.

Besonders verwunderlich ist es, dass insbesondere Fahranfängern die Folgen der Geschwindigkeitsüberschreitung nicht bewusst sind. Obwohl sie gerade die Fahrschule einschließlich theoretischer Prüfung absolviert haben, überschätzen sie regelmäßig die geringe Bedeutung ihrer ohnehin überbewerteten Reaktionsfähigkeit. Gerade bei geringen Geschwindigkeiten spielt die Reaktionsfähigkeit nahezu keine Rolle. Ein weitere Punkt ist, dass der Gesetzgeber die überhöhte Geschwindigkeit sehr unterschiedlich sanktioniert.

Soweit ein Unfallereignis ohne Verletzungen des Unfallgegners bleibt, wird regelmäßig nur ein geringes Bußgeld verhängt. Üblicherweise wird ein Bußgeld in Höhe von 35 bis 60€ mit der entsprechenden Punktefolge (null bis drei Punkte) im Verkehrszentralregister in Flensburg verhängt. So weit, so gut. Bei Unfällen mit Körperverletzung ist jedoch alles anders.

Im Unterschied zum Verkehrszivilrecht kennt das Verkehrsstrafrecht keine „Quotenschuld“. Die Frage, wer den Verkehrsunfall überwiegend verschuldet hat, spielt eine untergeordnete Rolle. Auch ein Mitverschulden führt zu einer Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung oder gar fahrlässiger Tötung. Mitverschulden in diesem Zusammenhang bedeutet jegliche Mitursächlichkeit beim Unfallgeschehen. Im Klartext bedeutet dies, dass auch eine geringe Geschwindigkeitsüberschreitung, soweit sie (mit-) ursächlich war, zu einer entsprechenden Verurteilung führen kann. Hätte der Unfallbeteiligte beispielsweise den Unfall bei einer geringeren Geschwindigkeit –und seien es nur 5km/h- vermeiden können, trägt er eine Mitschuld. Neben den strafrechtlichen Konsequenzen ist für die Betroffenen der Nachweis der entsprechenden (Mit-) Schuld und das Aufzeigen ihrer Verantwortlichkeit für die eingetretenen Folgen, z.B. schwere körperliche Verletzungen oder Tod, problematisch. Die schwerste Strafe ist regelmäßig, dass der Verursacher mit seiner Verantwortlichkeit zurechtkommen muss.

Damit sie als Leser die Folgen der Geschwindigkeitsüberschreitung einschätzten können, folgen nun einige Beispiele und physikalische Fakten zum Abschluss.

Bei einer  vorgeschriebenen Geschwindigkeit von 30km/h, einer unterstellten durchschnittlichen Reaktionszeit von 0,8 Sekunden und einer (physikalisch vorgegebenen) Bremsanschwellzeit (Dauer, bis die tatsächliche Bremswirkung des Fahrzeugs einsetzt) von 0,2 Sekunden benötigt man bei einer Notbremsung einen Anhalteweg von ca. 11,98m. Der reine Bremsweg beträgt bei der regelmäßig in Strafverfahren bei trockener Fahrbahn unterstellten Bremsverzögerung von 7,5m/sec² lediglich 3,65m; der so genannte Vorbremsweg beträgt 8,33m und entspricht in diesem Beispiel der Fahrstrecke bis zum Beginn der Bremsung.

Fährt der gleiche Fahrer 50km/h und führt eine Notbremsung durch, benötigt er bei gleichen Ausgangswerten einen Anhalteweg von 25,42m (Vorbremsweg 13,89m + Bremsweg 11,53m). Dies bedeutet, dass der Fahrer mit 50km/h den Anhaltepunkt des Fahrers, der  30km/h fährt, mit 50km/h passiert; bis zu diesem Punkt hat auf Grund der physikalischen (unveränderlichen) Vorgaben keine Bremswirkung eingesetzt. Das gilt auch für einen Michael Schumacher! Bei einem Fußgängerunfall hat dies regelmäßig tödliche Folgen. Ein Erwachsener wird bei einer entsprechenden Aufprallgeschwindigkeit ca.16m, ein Kind ca. 25m weit durch die Luft geschleudert.

Fährt ein Fahrer statt vorgeschriebener 50km/h vor einer Notsituation 70km/h, passiert er den Anhaltepunkt des Fahrers, der 50km/h fährt (Vorbremsweg 13,89m + Bremsweg 11,53m = 25,42m, s. o.), mit ca. 58km/h (Vorbremsweg 19,44m + Bremsweg 23,29m =42,75m).

Es muss nochmals darauf hingewiesen werden, dass die unterstellten Reaktionszeiten eine hervorragende Reaktion voraussetzen und in der Praxis in Notsituationen regelmäßig nicht erreicht werden. Dies bedeutet, dass die höhere Geschwindigkeit in der Praxis noch größere Auswirkungen hat, da der physikalisch vorgegebene Vorbremsweg im Verhältnis zum Bremsweg noch stärker ins Gewicht fällt.

Autor (ViSdP): Harald Stöcker, RAe Kemper Dr.Stüber Dr.Soestwöhner Stöcker, 44623 Herne


Das Datum, an dem dieser Artikel eingestellt wurde, entspricht nicht zwingend dem Tag der Erstellung dieses Artikels. Bitte informieren Sie sich im Zweifel beim Autor oder einem anderen Fachmann über die Aktualität und Richtigkeit der Inhalte.


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