Home | Anwaltsuche | Fachartikel | Autoren | Für Anwälte | Jura | Kontakt
 
 
Navigation
»Arbeitsrecht
»Baurecht und Architektenrecht
»Erbrecht
»Familienrecht
»Handels- und Gesellschaftsrecht
»Insolvenzrecht
»Internetrecht - Onlinerecht - Ebay
»Medizinrecht
»Mietrecht und Pachtrecht
»Sozialrecht
»Steuerrecht
»Strafrecht
»Transport- und Speditionsrecht
»Urheber- und Medienrecht
»Verkehrsrecht
»Versicherungsrecht
»Verwaltungsrecht

»Abfallrecht
»Agrarrecht
»Aktienrecht
»Architekten- und Ingenieurrecht
»Arzt- und Kassenrecht
»Arzthaftungsrecht - Arzthaftung
»Bank- und Börsenrecht
»Baurecht, privates
»Binnenschifffahrtsrecht
»Datenschutzrecht
»Deutsch-spanisches Recht
»Energiewirtschaftsrecht
»Familienrecht, internationales
»Forderungseinzug
»Gewerberecht
»GmbH-Recht
»Haftungsrecht, freie Berufe
»Haftungsrecht, Steuerberater
»Handels- und Wirtschaftsrecht
»Immobilienrecht
»Internationales Privatrecht
»Internationales Recht
»Jagd- und Waffenrecht
»Jugendstrafrecht
»Kapitalanlagenrecht
»Kapitalstrafrecht
»Kaufrecht
»Leasingrecht
»Maklerrecht
»Marken- und Domainrecht
»Medienrecht
»Nachbarrecht
»Opferschutzrecht
»Pferderecht
»Presserecht
»Printmedienrecht
»Produkthaftungsrecht
»Recht des öffentlichen Dienstes
»Reiserecht
»Rentenrecht
»Schadenersatzrecht
»Schuldrecht
»Sportrecht
»Steuerstrafrecht
»Strafverfahrensrecht
»Strafvollzugsrecht
»Telekommunikationsrecht
»Verbraucherinsolvenz
»Vereins- und Verbandsrecht
»Vergaberecht
»Verkehrsstrafrecht
»Verkehrsverwaltungsrecht
»Vermögensrecht
»Vertragsrecht
»Wehrrecht
»Wettbewerbsrecht - Werberecht
»Wirtschaftsrecht
»Wirtschaftsstrafrecht
»Wohnungseigentumsrecht
»Zivilrecht, allgemein
»Zwangsvollstreckungs-Recht
 
Sie befinden sich hier: Startseite / Fachartikel / Bank- und Börsenrecht / Rechtswidrige Insolvenzpraktiken der Banken
   Bank- und Börsenrecht
Rechtswidrige Insolvenzpraktiken der Banken
 
Autor: Dr. iur. Thomas Schulte
Kanzlei: Dr. Schulte und Partner - Rechtsanwälte
Ort: 10717 Berlin
erstellt am: 04.01.07
 
Profil anzeigen
mehr Fachartikel dieses Autors
mehr Bank- und Börsenrecht
Artikel drucken
     

Rechtswidrige Insolvenzpraktiken der Banken

Insolvenzpraktiken der Kreditgeber vor dem BGH
Gestandene Richter und Rechtsanwälte wenden auch nach langjähriger Berufserfahrung stets die so genannte Oma-Theorie an: Was hätte meine selige Großmutter zu diesem Fall gesagt? Die gedankliche Probe liefert fast immer die Lösung. “Junge, das ist doch zu lange her”: Verjährung. “Die sind jetzt offenbar endgültig übergeschnappt”: § 826 BGB. “Das ist ja wohl ein ganz linkes Ding”: § 242 BGB. Ein großmütterlicher Rechtssatz lautet auch: “Die sollten sich was schämen.” Er landete vor dem BGH, dessen neunter Zivilsenat mit Urteil IX ZR 181/04 vom 3.11.2005 gegen eine zu gierige Kreditgeberin entschied.

Der Fall war folgender: Die klagende Bank hatte einer GmbH einen Kredit zur Finanzierung eines Baggers ausgereicht. Diesen Bagger hatte sich die Bank zur Sicherung ihrer Rückzahlungs- und Zinsforderung von der GmbH übereignen lassen. Außerdem hatte sich der Geschäftsführer der kreditnehmenden GmbH persönlich verbürgt. Als die GmbH zahlungsunfähig wurde, übernahm der amtliche bestellte Insolvenzverwalter die Abwicklung.

Kern der Auseinandersetzung waren der Bagger und die Bürgschaft. Da der Bagger der klagenden Kreditgeberin gehörte, war sie in Bezug auf ihn absonderungsberechtigt. Das bedeutet, dass er zwar ein zur Insolvenzmasse gehörender Gegenstand war, dass aber die Kreditgeberin das Recht auf eine bevorzugte Befriedigung aus ihm hatte. Bei zur Sicherung übereigneten Mobilien kann diese bevorzugte Befriedigung entweder durch Verwertung erfolgen (§ 170 II InsO) oder durch Übernahme (§ 168 III 1 InsO). Im Fall der Verwertung erhält der Gläubiger die Sache und darf sie freihändig verkaufen. Der Verkaufserlös fließt an ihn. Soweit der erzielte Erlös hinter der Forderung zurückbleibt, ist er gehalten, die Differenz zur Insolvenztabelle anzumelden. Anders dagegen die Übernahme: Bei ihr treffen der Insolvenzverwalter und der Sicherungsnehmer eine Vereinbarung, was nach ihrer Einschätzung der Gegenstand wert ist. Der Sicherungsnehmer erhält dann den Besitz an der Sache und seine Forderung gegen den Insolvenzschuldner erlischt in Höhe des ermittelten Wertes. Soweit die Forderung darüber hinausgeht, kann der Gläubiger sie ebenfalls zur Insolvenztabelle anmelden. Der Unterschied zwischen Verwertung und Übernahme besteht aber darin, dass es bei der Verwertung vom Verkaufsgeschick des Gläubigers abhängt, in welcher Höhe seine Forderung außerhalb des Insolvenzverfahrens beglichen wird, dagegen hängt es bei der Übernahme von der amtlichen Wertfeststellung des Insolvenzverwalters ab. Bei der Übernahme bleibt es dem Gläubiger unbenommen, die Sache zu einem höheren Preis als dem festgestellten weiterzuverkaufen und trotzdem die Differenz zwischen festgestelltem Wert und offener Forderung zur Insolvenztabelle anzumelden.

So war es auch im Fall geschehen: Der Insolvenzverwalter und die Kreditgeberin hatten eine Übernahme des Baggers nach § 168 III 1 InsO vereinbart und seinen Wert auf 12.000 Euro bemessen. Die noch offene Kreditforderung der Klägerin betrug 26.000 Euro, so dass sie (zuzüglich der Feststellungs- und Verwertungskosten) eine Differenz von 14.000 Euro zur Insolvenztabelle anmelden konnte. Dieser Vorgehensweise stand es auch nicht entgegen, dass es der Klägerin gelungen war, den Bagger für insgesamt 27.500 Euro zu verkaufen. Wir erinnern uns: Bei der Übernahme nach § 168 III 1 InsO ist dies zulässig.

Vor dem BGH war aber folgendes Problem streitig: Die Bank wollte den Differenzbetrag von 14.000 Euro eben nicht zur Insolvenztabelle anmelden, sondern den Geschäftsführer der insolventen GmbH in die Pflicht nehmen. Dieser, so ihre Argumentation, hatte ja gebürgt. “Das ist ja frech”, würde die Großmutter nach kurzer Bedenkzeit sagen. “Die sollten sich was schämen” - So auch der BGH:

Die Übernahme durch den absonderungsberechtigten Gläubiger (§ 168 III 1 InsO) sei eine Verwertungsmaßnahme, die das Gesetz dem Verwalter selbst ermögliche. Ein sachgerecht handelnder Verwalter werde auf das Angebot des Gläubigers nur eingehen, wenn er mit einem besseren Preis nicht rechnen könne. Dies gelte aber nicht für einen Bürgen. Er habe nämlich keinen Einfluss auf den Gang des Insolvenzverfahrens, weil er an ihm formell nicht teilnehme (§ 44 Inso). Maßgeblich seien deswegen die §§ 765 ff. BGB. Insbesondere stehe § 767 I 3 BGB einer Inanspruchnahme auf die Differenz zwischen Feststellungs- und Veräußerungspreis entgegen. - Diese Vorschrift normiert das so genannte “Verbot der Fremddisposition”, hinter dem sich ebenfalls ein vernünftiger “Oma-Gedanke” verbirgt: Der Bürge muss von Anfang an wissen, was mit der Forderung passiert, die er absichert. Sie darf nicht in unkontrollierte Höhen steigen. Genau das droht aber, wenn ein nachlässiger Insolvenzverwalter ein unrealistisch niedriges Übernahmeangebot annimmt und dann eine entsprechend zu hohe Differenzforderung gegen ihn erhoben wird. Schlimm genug, dass die Bank die Differenz ungeniert zur Insolvenztabelle anmelden konnte.


Autor (ViSdP): Dr. iur. Thomas Schulte, Dr. Schulte und Partner - Rechtsanwälte, 10717 Berlin


Das Datum, an dem dieser Artikel eingestellt wurde, entspricht nicht zwingend dem Tag der Erstellung dieses Artikels. Bitte informieren Sie sich im Zweifel beim Autor oder einem anderen Fachmann über die Aktualität und Richtigkeit der Inhalte.


Anzeige:

 
SeitenanfangSeitenanfang
 

Anwaltzentrale.de – Ein Service der cemore GmbH
Lindenstraße 102a | 49393 Lohne | Deutschland
Tel.: +49 4442/8027-0 | Fax.: +49 4442/8027-29 | E-Mail: info@cemore.de

Impressum | Anwaltsuche | Fachartikel | Autoren | Für Anwälte | Über uns | Kontakt | Fachartikel Sitemap

Anwaltzentrale.de führt keine Rechtsberatung durch.
Alle verwendeten Markennamen und Bezeichnungen sind eingetragene Warenzeichen und Marken der jeweiligen Eigentümer.