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Sie befinden sich hier: Startseite / Fachartikel / Bank- und Börsenrecht / Deutsche Bank schluckt Berliner Bank!
   Bank- und Börsenrecht
Deutsche Bank schluckt Berliner Bank!
 
Autor: Dr. iur. Thomas Schulte
Kanzlei: Dr. Schulte und Partner - Rechtsanwälte
Ort: 10717 Berlin
erstellt am: 27.11.06
 
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Deutsche Bank schluckt Berliner Bank!
Umbau der deutschen Banklandschaft – nun schluckt die Deutsche Bank die Berliner Bank AG

Am 21. Juni 2006 hat die Deutsche Bank AG bekannt gegeben, dass die Berliner Bank AG aufgekauft worden ist. Das Filialnetz und die Mitarbeiter in Berlin sollen erhalten, so die Bank. Wer es glaubt, wird selig! Warum? Im Jahre 2006 arbeiteten in den deutschen Banken arbeiten circa 700.000 Personen, angefangen vom Auszubildenden bis zum Vorsitzenden. Die Bundesrepublik Deutschland gilt daher als überversorgt mit Bankdienstleistungen. Zu viele Zwerge auf zu kleinem Raum. Die Deutschen Banken gelten im Vergleich zum global agierenden Finanzkonzernen und Großbanken aus den Vereinigten Staaten als extrem klein.


Der Börsenwert der größten deutschen Bank, der Deutschen Bank AG beträgt nur 36 Mrd. Euro, während die größte internationale Bank die Citiegroup aus den USA 180 Mrd. Euro Börsenwert hat. Der Gewinn von 1.5 Jahren würde daher genügen, die Deutsche Bank AG vollständig zu erwerben. Alleine bei der Citiegroup arbeiten weltweit 300.000 Menschen. Die HSBC aus Großbritannien, die Bank of America und die J-P. Morgen Chase (beide USA) sind jeweils mindestens dreimal so groß wie der deutsche Branchenprimus, die Deutsche Bank AG. Dabei ist die Deutsche Bank fast doppelt so groß wie die nächsten Verfolger im nationalen Vergleich, die Dresdner Bank AG oder die Commerzbank AG. Im internationalen Vergleich sind die deutschen Banken nur schwach aufgestellt und gelten als Übernahmekandidaten. Diese Situation verändert sich durch die Übernahme nicht.


Die Überversorgung mit Banken hat traditionelle Gründe, weil die bestehende Bankenlandschaft unterschiedlich gewachsen ist. Die deutsche Bankenlandschaft ist traditionell dreigeteilt und besteht aus den Sparkassen, die in der Regel regionalen Bezug haben, Volks- und Raiffeisenbanken, die in der Regel als Hilfskassen für gewisse Berufsgruppen gegründet worden sind. Als dritte große Gruppe gelten die Privatbanken, bei denen traditionell die Deutsche Bank, gefolgt von der Dresdner Bank und Commerzbank führt. Aufgrund der Dreiteilung des Marktes und der immer noch starken Traditionsbezogenheit der Kunden und der hohen Kundenbindung bestehen diese Bankensysteme in der Regel nebeneinander und sorgen für die regionale Versorgung mit Bankdienstleistungen des täglichen Lebens. Kaum ein Dorf in Deutschland ohne die Angebote der drei unterschiedlichen Banksysteme. Ein Zusammenschluss der Sparkassen und Raiffeisenbanken wie Anfang Juni 2006 in Frankreich ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich.


Die hohen Kosten der Filialen führten seit Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zu einem Kostendämpfungspolitik und einer Vermarktungsoffensive von Bankprodukten die eine Entfremdung der Kunden von „ihrer“ Hausbank mit sich brachten. Die täglichen Bankgeschäfte des Kunden sollten am Automaten erledigt werden. Damit ging der Kontakt zum Kunden verloren, dem es im Grunde einerlei sein kann, ob er vor einem Automaten einer Sparkasse oder eine Postbank steht. Aggressive Vermarktungsstrategien von Bankprodukten verschlechterten die Kundenbeziehungen weiterhin. Durch die starke Fluktuation der Bankmitarbeiter sowie die Einführung von Provisionen für den Vertrieb als Gehaltsbausteine wurde weiteres Vertrauen verspielt. Der ständige Wechsel der Kunden von Bank zu Bank, die Fülle von Kundenbeschwerden, die Haftungsprozesse sowie die Ausfälle von Krediten haben ihre Ursache darin, dass der Bankmitarbeiter häufig keine persönlichen kontinuierlichen Kontakt zum Kunden hat und daher z.B. Kreditausfallrisiken nicht richtig eingeschätzt werden können. Hier versuchen Beratungssoftware, Schufa-Daten oder Kreditvergabe über Scoringsysteme, elektronische Auswertung der Kontenbewegungen nur die Defizite auszugleichen. Hohe Schäden aufgrund von Verlusten von Kunden, Schadenersatz wegen falscher Beratung sowie Milliarden Kreditausfällen sind die Folge der Rationalisierungen. Trotz aller Enttäuschungen werden allerdings immer noch mindestens 85% aller Fonds über Banken verkauft.


Das deutsche Rechtssystem schützt über das Kreditwesengesetz die Banken, da Einlagengeschäfte und Kreditgeschäfte Banken vorbehalten sind. Das Rechtssystem gilt als zementiert. Kennen Sie einen Unternehmensgründer, der eine Bank aus der Taufe gehoben hat? Natürlich nicht. Die Hürden um eine Bank zu gründen sind kaum zu nehmen. Bei einer Insolvenz gilt immer: die Bank verliert so gut wie nie, weil diese die besten Sicherheiten hat.


Die Banken haben auch deshalb den Kontakt zu dem Kunden verloren, weil inzwischen der meiste Ertrag durch Eigenhandel verdient wird. So erwirtschaftete die Deutsche Bank AG im Jahre 2005 1/3 des Gewinns durch Eigenhandel, ein weiteres Dritte wurde durch Provisionen erwirtschaftet. Der Rest entfiel auf Gewinne aus Zinserträgen. Das bedeutet im Klartext: von den ca. 65.000 Mitarbeiter weltweit, die ca. 55% aller Kosten der Bank verursachen, sind fast alle in dem Bereich Zinserträge tätig. Für eine Universalbank ist daher der Kunde am Schalter nur ein kostenintensives Beiwerk der internationalen Geschäfte. Warum sollte die Deutsche Bank dann in Berlin mit der Berliner Bank an jeder Straßenecke eine Filiale haben? Wozu sollen noch mehr Mitarbeiter die gleichen Arbeiten verrichten. Die Deutsche Bank sagt, wir werden keine Filiale schließen und keinen Mitarbeiter entlassen. Wer es glaubt, wird selig.


Bei der Übernahme der Berliner Bank dürfte zudem Abstimmungsprobleme in der Datenverarbeitung nicht ausbleiben. Die Berliner Bank AG hatte vor einigen Jahren den gesamten Geschäftsablauf auf die Software der Landesbank Berlin umgestellt.

Autor (ViSdP): Dr. iur. Thomas Schulte, Dr. Schulte und Partner - Rechtsanwälte, 10717 Berlin


Das Datum, an dem dieser Artikel eingestellt wurde, entspricht nicht zwingend dem Tag der Erstellung dieses Artikels. Bitte informieren Sie sich im Zweifel beim Autor oder einem anderen Fachmann über die Aktualität und Richtigkeit der Inhalte.


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