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   Kapitalanlagenrecht
Kapitalbildende Lebensversicherungen
 
Autor: Dr. iur. Thomas Schulte
Kanzlei: Dr. Schulte und Partner - Rechtsanwälte
Ort: 10717 Berlin
erstellt am: 12.06.06
 
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Kapitalbildende Lebensversicherungen

Ka­pi­tal­bil­den­de Le­bens­ver­si­che­run­gen mit Über­schuss­be­tei­li­gung Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes vom 26.07.2005

Mit Da­tum vom 26.07.2005 hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit zwei Ur­tei­len (1 Bvr 80/95; 1 Bvr 782/94 und 1 Bvr 957/96) die Po­si­tion von Ver­si­che­rungs­neh­mern von ka­pi­tal­bil­den­den Le­bensver­si­che­run­gen mit Über­schuss­be­tei­li­gun­gen und so­mit auch den Ver­brau­cher­schutz als sol­chen ge­stärkt. Die bis­he­ri­ge Ge­set­zes­la­ge wur­de da­bei als ver­fas­sungs­wid­rig er­ach­tet und der Ge­setzge­ber auf­ge­for­dert, bis zum 31.12.2007 Vor­keh­run­gen da­für zu tref­fen, dass die durch Prä­mien­zah­lung der Ver­si­cher­ten ge­schaf­fe­nen Ver­mö­gens­wer­te bei der Er­mitt­lung des Schlus­sü­berschusses an­ge­mes­sen be­rück­sich­tigt wer­den.

Bei der ka­pi­tal­bil­den­den Le­bens­ver­si­che­rung han­delt es sich um ein ge­setz­lich aus­ge­schot­te­tes Sys­tem der pri­va­ten Zu­kunfts­si­che­rung, wel­ches von der Bun­des­re­pub­lik Deutsch­land un­ter an­de­rem auch steu­er­lich ge­för­dert wird. Hier­bei ver­pflich­tet sich der Ver­si­che­rer, dem Ver­si­cher­ten bei Er­rei­chen ei­nes be­stimm­ten Le­bens­al­ters ei­ne be­stimm­te Sum­me zu zah­len. Ka­pi­tal­bil­den­de Le­bens­ver­si­che­run­gen spie­len ei­ne ent­schei­den­de Rol­le bei der pri­va­ten Al­ters­si­che­rung, deut­lich wird dies ins­be­son­de­re in der Zahl von der­zeit un­ge­fähr 60 Mio Ver­trä­gen in Deutsch­land. Auch hin­sicht­lich der ak­tu­el­len po­li­ti­schen Dis­kus­sion über ei­ne Aus­wei­tung der pri­va­ten Al­ters­vor­sor­ge sind die­se bei­den Ur­tei­le von gro­ßer Be­deu­tung.

Die ge­nann­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­den, die im üb­ri­gen vom Bund der Ver­si­cher­ten un­ter­stützt wur­den, wa­ren im Kern er­folg­reich, da die ak­tu­el­len ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen im Hin­blick auf die Er­mitt­lung des Schlus­sü­ber­schus­ses so­wie die Re­ge­lung zur Bes­tand­sü­ber­tra­gung den Schutz des Ei­gen­tums auf Ar­ti­kel 14 Ab­satz 1 GG und der Pri­vat­au­to­no­mie aus Ar­ti­kel 2 Ab­satz 1 GG aus­rei­chend ge­währ­leis­tet.

Die Prä­mien­zah­lun­gen der Ver­si­cher­ten ge­hen voll­stän­dig in das Ei­gen­tum des Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens über, die­se kön­nen die ih­nen an­ver­trau­ten Ver­mö­gens­wer­te grund­sätz­lich frei an­le­gen. Da­bei ha­ben sie die han­dels­recht­li­chen Be­wer­tungs­re­geln über Ver­mö­gen­san­la­gen nach dem Han­dels­ge­setz­buch zu be­ach­ten. Dem­nach ist die Schaf­fung so ge­nann­ter stil­ler Re­ser­ven (die Dif­fe­renz zwi­schen dem han­dels­recht­li­chen Buch­wert und dem Zeit­wert) zu­läs­sig. Die Hö­he der der­zei­ti­gen stil­len Re­ser­ven wird auf un­ge­fähr 25 Mrd. Eu­ro ge­schätzt. Die­ser sehr ho­he Be­trag wird nach der der­zei­ti­gen Rechts­la­ge bei der Er­mitt­lung des Schlus­sü­ber­schus­ses über­haupt nicht be­ach­tet. Hie­rin sieht das Ge­richt ei­ne unge­recht­fer­tig­te Be­nach­tei­li­gung der ein­zel­nen Ver­si­cher­ten.

Die Ver­trags­be­din­gun­gen der Le­bens­ver­si­che­rung ste­hen in der Wirt­schaft­spra­xis nicht zur Dis­po­si­ti­on der Ver­si­che­rungs­neh­mer. Sie sind so aus­ge­stal­tet, dass ei­ne Kün­di­gung und ei­n Wech­sel zu ei­nem Kon­kur­ren­zun­ter­neh­men kei­ne wirt­schaft­lich sinn­vol­le Op­ti­on dar­stellt, da sie re­gel­mä­ßig mit ganz er­heb­li­chen Nach­tei­len ver­bun­den ist. Der Ver­si­che­rungs­neh­mer hat kei­ne Mög­lich­keit, ei­nen Ver­si­che­rungs­ver­trag mit Über­schuss­be­tei­li­gung so ab­zu­schlie­ßen, dass die stil­len Re­ser­ven je­den­falls auch teil­wei­se oh­ne Rea­li­sie­rung be­rück­sich­tigt und Mög­lich­kei­ten der Quer­ver­rech­nung trans­pa­rent ge­macht und in­halt­lich be­grenzt wer­den.

Das zi­vil­recht­li­che Ver­si­che­rungs­ver­trags­recht re­gelt - nach der Aus­le­gung des BGH - nicht die Fest­stel­lung des Über­schus­ses selbst, son­dern des­sen Ver­tei­lung an die Ver­si­cher­ten. Da­bei wird von dem Bun­des­ge­richts­hof für die Er­mitt­lung des Über­schus­ses auf die Kon­troll­mög­lich­kei­ten des Ver­si­che­rungs­auf­sichts­rechts ver­wie­sen, des­sen Maß­stab die so ge­nann­te Mißs­tand­sauf­sicht ist. Die­se auf­sicht­li­che Tä­tig­keit ori­en­tiert sich nur an den Be­lan­gen der Ver­si­cher­ten in ih­rer Ge­samt­heit und an der Si­che­rung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des Ver­si­che­rungs­we­sens, auf­sicht­li­che Tä­tig­keit am ein­zel­nen Ver­si­che­rungs­ver­hält­nis fin­det nicht statt.

Die eben be­schrie­be­ne Rechts­la­ge wird den ver­fas­sungs­recht­li­chen Schutz­pflich­ten nicht ge­recht. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat da­her dem Ge­setz­ge­ber ei­ni­ge Lö­sungs­mög­lich­kei­ten auf­ge­zeigt, um das eben be­schrie­be­ne Schutz­de­fi­zit im Rah­men sei­nes Ge­stal­tungs­spiel­rau­mes zu be­sei­ti­gen und ei­nen ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Schutz der Ver­si­cher­ten zu schaf­fen:
- Die Ver­bes­se­rung des In­for­ma­tions­zu­gan­ges und Um­fangs (z.B. In­for­ma­ti­on über Ab­schluss- und Ver­wal­tungs­kos­ten so­wie über Mög­lich­kei­ten der Quer­ver­rech­nug)
- Si­che­rungs­spe­zi­fi­sche Bi­lan­zie­rung der Ver­mö­gens­wer­te un­ter de­tail­lier­ter Of­fen­le­gungvon Be­wer­tungs­re­ser­ven, die ei­ne teil­wei­se Be­rück­sich­ti­gung bei der Über­schuss­betei­li­gung er­mög­li­chen, oh­ne das stil­le Re­ser­ven rea­li­siert wer­den müss­ten.
- Ver­bes­se­rung der Mög­lich­kei­ten zum Ver­si­che­rungs­wech­sel un­ter weit­ge­hen­dem Erhalt der bis­her an­ge­spar­ten Rechts­po­si­ti­on.
Die bei­den Ur­tei­le des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts er­halten aber kei­ne Vor­ga­be, ob und in­wie­weit ei­ne Neu­re­ge­lung für be­reits lau­fen­de Ver­trä­ge gel­ten soll. Die bis­he­ri­gen Re­ge­lun­gen ha­ben bis zur Um­set­zung der vor­ge­schla­ge­nen Än­de­run­gen durch den Ge­setz­ge­ber wei­ter Be­stand, trotz der Fest­stel­lung der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der bis­he­ri­gen Re­ge­lun­gen. Da­her än­dert sich für den Ver­si­cher­ten erst ein­mal gar nichts.
Lei­der ent­hal­ten die Ur­tei­le auch kei­ne Vor­ga­be, ob und in­wie­weit ei­ne Neu­re­ge­lung durch den Ge­setz­ge­ber für lau­fen­de Ver­trä­ge gel­ten soll.

Da­her bleibt ab­zu­war­ten, wie der Ge­setz­ge­ber bis zum 31.12.2007 den Schutz der Ver­si­cher­ten ver­bes­sert und in­wie­weit er be­ste­hen­de Ver­trä­ge in die ge­än­der­ten Be­stim­mung ein­be­zieht.

Autor (ViSdP): Dr. iur. Thomas Schulte, Dr. Schulte und Partner - Rechtsanwälte, 10717 Berlin


Das Datum, an dem dieser Artikel eingestellt wurde, entspricht nicht zwingend dem Tag der Erstellung dieses Artikels. Bitte informieren Sie sich im Zweifel beim Autor oder einem anderen Fachmann über die Aktualität und Richtigkeit der Inhalte.


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