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   Medizinrecht
Der Einfluss der Medien auf die Bemessung von Schmerzensgeld
 
Autor: Isabel Bals
Kanzlei: Rechtsanwältin
Ort: 50931 Köln
erstellt am: 07.05.13
 
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Der Einfluss der Medien auf die Bemessung von Schmerzensgeld
Das Oberlandesgericht Thüringen hat einer 10-jährigen Patientin nach einem erneuten Oberschenkelbruch mit Wundheilungsstörungen und starker Narbenbildung ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000,00 EUR zugesprochen. In seiner Begründung beruft sich das in Jena ansässige Oberlandesgericht unter anderem auf einen durch die Medien geprägten Wertewandel. Die Richter am Oberlandesgericht verweisen in ihrer Urteilsbegründung ausdrücklich auf eine durch Fernsehsendungen vom Typ „Germany´s next topmodel“ geprägte Realität, die bei der Bemessung von Schmerzensgeld zu berücksichtigen sei.

Der Fall.-    Ein 10-jähriges Mädchen war im Juli 2006 von einer Leiter gestürzt. Hierbei hatte sie sich den rechten Oberschenkelschaft gebrochen. Der Bruch wurde  noch am selben Tag operiert. Der jungen Patientin wurde ein sog. „Fixateur-externe“, das ist ein äußeres Haltesystem zur Ruhigstellung von Knochenbrüchen, angelegt. Dieser „Fixateur externe“ wurde knapp zwei Monate später abgenommen, obwohl der Knochen noch nicht vollständig verheilt war. Drei Tage nach der Entfernung kam es nachts zum erneuten Bruch. Die 10-Jährige musste wieder operiert werden. Es traten Wundheilungsstörungen mit erheblichem Blutverlust ein. Sogar eine Bluttransfusion war notwendig. Außerdem bildete sich bei dem jungen Mädchen infolge der zahlreichen Komplikationen am rechten Oberschenkel eine 25 cm lange und 1,5 cm breite Narbe, die wulstig und stark gerötet blieb.  

Die Entscheidung der Vorinstanz.-     Das Landgericht hat einen Behandlungsfehler angenommen. Die Ärzte hätten den „Fixateur externe“ zu früh entfernt. Auf dem zuvor angefertigten Röntgenbild sei zu erkennen gewesen, dass der Knochen noch nicht vollständig zusammengewachsen war. Das Landgericht hat den verantwortlichen Chirurgen zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 10.000,00 EUR verurteilt.   

Die Entscheidung der Berufungsinstanz.-     Das Oberlandesgericht  hat auf die Berufung das Schmerzensgeld für die inzwischen 15-Jährige auf 20.000,00 EUR angehoben. Die Richter aus Thüringen berücksichtigten bei der Bemessung des Schmerzensgeldes zum einen das noch sehr junge (kindliche) Lebensalter der Klägerin. Für sie lag auf der Hand, dass ein zehnjähriges Kind einen nächtlichen Bruch des vermeintlich geheilten Beins und die anschließende langwierige Krankenhausbehandlung sehr viel schwieriger verarbeite als ein Erwachsener. Dies gelte auch wegen der für ein Kind schwierigen Trennung von Familie und Freunden. Die quälende Angst der jungen Patientin, das rechte Bein könne bei Belastung wieder brechen, hielt das Gericht für absolut nachvollziehbar. Ein dadurch verloren gegangener „unbekümmerter Bewegungsdrang“ wiege bei einem Kind deutlich schwerer als bei einem „gesetzten“ Erwachsenen. Das Gericht verwies in seiner Entscheidung auch auf die sogenannte „Binsenwahrheit“, dass traumatische Erlebnisse in der Kindheit lebenslange Ängste begründen können.

Zum optischen Aspekt hob das Gericht hervor, dass es sich hier um ein junges Mädchen handele, bei dem eine entstellende Narbe besonders schwer wiege. Nachdem die junge Klägerin in der Verhandlung bei der Erwähnung der Narbe in Tränen ausgebrochen war, fanden die Richter (und Richterinnen) in ihrem Urteil die folgenden Worte:

„In diesem Kontext gilt es zu berücksichtigen, dass sich bei jungen Mädchen ein durch die Medien geprägter - zu denken ist etwa an Fernsehsendungen wie „Germany´s next topmodel“ - Wertewandel vollzogen hat, sich zunehmend (nur) über ein möglichst makelloses Äußeres zu definieren bzw. wertzuschätzen. Dass dieser Trend, den Geltungswert eines jungen Mädchens/einer jungen Frau auf sein/ihr äußeres Erscheinungsbild zu reduzieren, zu Recht nicht nur als Wertewandel, sondern als bedenklicher Werteverlust beklagt wird, steht auf einem anderen Blatt. Als das Leben der Klägerin prägende Realität ist der (mediengeprägte) Trend bei der  Schmerzensgeldbemessung zu akzeptieren und deshalb auch zu berücksichtigen.“

Fazit.-     Die Tendenz der Rechtsprechung, bei Kindern höhere Schmerzensgelder zuzusprechen, ist ungebrochen. Ich halte es darüber hinaus für bemerkenswert, dass die dem Senat am Oberlandesgericht Thüringen angehörenden Richter auch vor der heutigen mediengeprägten Realität nicht die Augen verschließen. Ohne die Klägerin selbst zu verurteilen, tragen die Richter mit ihrer kritischen Anmerkung dazu bei, einen längst überfälligen Diskurs über die Auswirkungen der Medien auf unsere Kinder und Heranwachsenden anzufachen. 

Autor (ViSdP): Isabel Bals, Rechtsanwältin, 50931 Köln


Das Datum, an dem dieser Artikel eingestellt wurde, entspricht nicht zwingend dem Tag der Erstellung dieses Artikels. Bitte informieren Sie sich im Zweifel beim Autor oder einem anderen Fachmann über die Aktualität und Richtigkeit der Inhalte.


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