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   Medizinrecht
Die Problematik der sog. Anfängeroperation
 
Autor: Isabel Bals
Kanzlei: Rechtsanwältin
Ort: 50931 Köln
erstellt am: 07.05.13
 
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Die Problematik der sog. Anfängeroperation
Haftung und Risiken bei Anfängeroperation

Die Problemstellung:    Man stelle sich vor, man muss operiert werden, begibt sich vertrauensvoll ins Krankenhaus und wird dort - ohne zuvor darüber informiert worden zu sein - von einem unerfahrenen „Anfänger“, also einem Assistenzarzt, der noch in der Ausbildung zum Facharzt befindlich ist, operiert. Und es kommt, wie es kommen muss. Dem jedenfalls für diese Operation noch nicht ausreichend qualifizierten Operateur unterläuft ein massiver Fehler.

Dieses Szenario ist vor dem Hintergrund eines Mangels an ausreichend ausgebildeten Fachärzten und des steigenden Kostendrucks gar nicht so selten, dabei entschied der Bundegerichtshof bereits 1984 (Urteil vom 27.09.1984 –VI ZR 230/81-), dass die Übertragung einer selbständig durchzuführenden Operation auf einen dafür noch nicht ausreichend qualifizierten Arzt einen Behandlungsfehler darstellt.

Und weiter: Wurde die Gesundheit des Patienten bei der Operation durch einen nicht ausreichend qualifizierten Assistenzarzt geschädigt, so trifft die Beweislast dafür, dass dies nicht auf der mangelnden Qualifikation beruht, den Krankenhausträger und die für die Einteilung zur Operation verantwortlichen Ärzte.

Der Fall:     Die Klägerin litt seit längerem an Lymphknotenschwellungen, weshalb sie in die HNO-Klinik überwiesen und dort vom Oberarzt untersucht wurde. Sodann teilte dieser einen in der Facharztausbildung befindlichen Assistenzarzt zur selbständigen und unbeaufsichtigten Operation ein. Nachdem der „Anfänger“ eine derartige Operation am Hals noch nie vorgenommen hatte, zeigte ihm der Oberarzt kurzerhand, wo er die Injektion für die lokale Anästhesie zu setzen und wo er den Schnitt zu führen habe. Im Anschluss führte der Assistenzarzt die Halsoperation eigenverantwortlich durch und verletzte dabei mutmaßlich den teilweise ohne Muskelbedeckung unter der Haut laufenden sogenannten Nervus Accessorius. Die Klägerin war in der Folge nicht mehr in der Lage, ihren rechten Arm über die Horizontale zu heben, weshalb sich mittelfristig die Schultermuskulatur zurückbildete.

Das Gerichtsverfahren:     Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied in diesem Fall dem Grunde nach, dass der Klägerin Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche gegen den Krankenhausträger zustehen, und verwies die Sache an das Landgericht zurück. Allerdings sah der BGH den Verstoß gegen die geschuldete sorgfältige ärztliche Betreuung und Behandlung nicht in der mangelnden Aufklärung der Klägerin über die fehlende ärztliche Qualifikation des jungen Arztes und das damit gestiegene Operationsrisiko. Der schwere ärztliche Behandlungsfehler ist nach Ansicht des BGH vielmehr darin zu sehen, dass der Oberarzt den für den Eingriff nicht qualifizierten jungen Arzt ohne zureichende Anweisung selbständig operieren ließ. Denn der  Eingriff  mag  zwar  grundsätzlich, gemessen an seiner statistischen Komplikationsrate, einfach und harmlos gewesen sein. Er war aber, wegen des letztlich verletzten Nervs, nicht gänzlich risikolos.

In erster Linie fällt diese Pflichtverletzung laut BGH dem für die Einteilung des Assistenzarztes verantwortlichen Oberarzt zur Last. Ein in der Facharztausbildung stehender Assistenzarzt dürfe erst nach Unterweisung und Einarbeitung sowie nach Feststellung seiner Zuverlässigkeit bei ähnlichen Eingriffen in der chirurgischen Ausbildung operieren. Niemals dürfe für den Patienten ein zusätzliches Risiko entstehen. Immer müsse der Standard eines erfahrenen Chirurgen gewährleistet sein. Vorrang habe stets das Wohl des Patienten und seine Sicherheit, nicht etwa eine bequeme Organisation des Klinikdienstes und die Notwendigkeit, dem Assistenzarzt zum Erwerb seiner Qualifikation erforderliche Operationen zu ermöglichen. Der BGH hat hierbei ausdrücklich klargestellt, dass sich der Krankenhausträger in keinem Fall darauf berufen kann, ein Mangel an ausreichend ausgebildeten Fachärzten zwinge zum Einsatz auch relativ unerfahrener Assistenzärzte.

Die Haftung des jungen Operateurs selbst soll laut BGH davon abhängig sein, ob ihm persönlich der Vorwurf gemacht werden könne, sich weisungsgemäß auf die selbständige Operation eingelassen zu haben. Hätte er selbst nach den bei ihm vorauszusetzenden Kenntnissen und Erfahrungen Bedenken haben und eine Patientengefährdung vorhersehen können, hätte er die Durchführung einer unbeaufsichtigte Operation ablehnen und - im äußersten Fall - sogar den Patient informieren müssen.  

Autor (ViSdP): Isabel Bals, Rechtsanwältin, 50931 Köln


Das Datum, an dem dieser Artikel eingestellt wurde, entspricht nicht zwingend dem Tag der Erstellung dieses Artikels. Bitte informieren Sie sich im Zweifel beim Autor oder einem anderen Fachmann über die Aktualität und Richtigkeit der Inhalte.


 
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